Montag, 30. März 2020

#LebenohneSchule: Die einmalige Chance zur Erforschung des Lernens

Hiermit möchte ich Familien (und gern auch Lehrer) einladen zur Teilnahme an einer Studie zur Erforschung des Lernens ohne Schule

Vor ein paar Jahren begegnete ich zufällig einem meiner ehemaligen Professoren wieder, bei dem ich meine Prüfung in Pädagogischer Psychologie abgelegt hatte. Wir kamen ein wenig ins Gespräch über Schule. Mir war damals als beiläufige Information bekannt gewesen, dass seine Kinder eine Projektschule besucht hatten - eine Information, die für mich als nachwuchslose Studentin nicht näher von Bedeutung gewesen war. Nun fragte ich ihn jedoch irgendwann neugierig, ob in seinem Fachbereich, in dem er mittlerweile hauptsächlich tätig war - bei den Lehramtsstudierenden - in irgendeiner Weise Informelles Lernen als Thema vorkomme oder bekannt sei. Nö! 
Dann wär's ja mal Zeit, so dachte ich mir ...

Nun ist es Zeit! Zumindest, sich dem aus nähernder Ferne (oder ferner Nähe) zu widmen. Die Studien des Entwicklungspsychologen Alan Thomas zum Informellen Lernen im englischsprachigen Raum sind ein noch zu wenig beachteter Meilenstein, doch das wird sich nun ändern, weil es uns unmittelbar jetzt betrifft.

"Eine kleine, aber zunehmende Zahl von Eltern bzw. Sorgeberechtigten entscheidet sich dafür, die Bildung ihrer Kinder zu Hause stattfinden zu lassen. Das Hauptanliegen dieses Buches ist die Beschreibung ihrer Herangehensweisen. Ihre Ansätze und Erfahrungen liefern neue und oft faszinierende Einsichten in das Wesen der intellektuellen Entwicklung und des Lernens." 

So beginnt Alan Thomas' Buch Bildung zu Hause - Eine sinnvolle Alternative. Ich möchte hinzufügen: Faszinierende Einsichten, die uns in dem von uns gestalteten schulischen "Bildungskontext" erschwert bzw. zumeist gänzlich verschlossen bleiben.

"Kinder werden geboren, sie lernen laufen, sie lernen sprechen, sie gehen zur Schule. Beschulung ist inzwischen in unserer Kultur so tief verankert, dass wir zur Überzeugung gekommen sind, ohne Schule könne es keine Bildung geben. Im Einklang damit beruht alles, was durch Forschung und Innovation zur Verbesserung der Bildung getan wird, auf der Annahme, Beschulung und Bildung seien austauschbare Begriffe. Das ist verständlich, weil Kinder zumindest seit Mitte des neunzehnten Jahrhunderts fast ausnahmslos zur Schule gingen. Aber dies hielt uns davon ab, über andere Wege der Bildung von Kindern nachzudenken. Die Überzeugung breitete sich aus, was in der Schule für Lehren und Lernen gilt, sei allgemein gültig."

Die jetzige Situation enspricht einem Sprung, Riss, Bruch in dem Bezugsrahmen, den wir bisher kannten. Vielleicht kennt der ein oder andere das Aquarium-Experiment, welches ich hier beschrieben habe:


Wir sind momentan die im Quadrat schwimmenden Fische, die in den zuvor gesetzten Grenzen (dem "Aquarium im Aquarium") schwimmen, obwohl es sie nicht mehr gibt ...

Jedoch, was geschieht dann?

Ich möchte dazu ermutigen, über die Beobachtungen und Erfahrungen zu berichten, eine gemeinsame Feldforschung zu betreiben. Gern möchte ich diese zusammentragen und betrachten. Wer teilnehmen möchte, schreibe bitte eine E-Mail an lernenohneschule@gmx.de. Gern dürfen die Berichte offen gehalten sein, lediglich zur Anregung einige Fragen:

  1. Wie geht es uns in der jetzigen Situation? Wie geht es dem jungen Menschen? Wie der Familie? Emotional/kognitiv oder anderweitig...
  2. Wie ist das Verhältnis zum Lernen? Gelingt es? Ist es unverändert? Hat sich etwas geändert? Ändert sich etwas?
  3. Wie findet das Lernen statt? Geregelt? Nach (Stunden)Plan? Nach Vorgaben? Effektiv? Ineffektiv? Wann? Wie lange? ...
  4. Seid ihr gelassen? Gestresst? Entspannt? Unter Druck? ...
  5. Gibt es besondere Erkenntnisse? Des jungen Menschen? Der Mütter und Väter? Der Lehrer?
  6. Macht ihr "Schule zuhause"/ Homeschooling? Oder was anderes?
  7. Wie sieht die Bildung aus? Was empfindet ihr als Bildung? Was geschieht alles bzw. tut der junge Mensch, womit/wodurch er sich bildet? 
Lasst Euch von den Fragen nicht einschränken oder einengen, es kann viele mehr oder ganz andere geben. Möglicherweise würden junge Menschen ganz anderes berichten als ihre Mütter oder Väter oder Lehrer. Jeder darf mitmachen! Ich bin über jede Nachricht froh und sie wird uns alle bereichern.

Ich lade zum Beobachten und Erzählen ein. 
Ich lade ein zum Sammeln.
Mein Tipp: Führt (kleine) Lerntagebücher mit Euren Beobachtungen und Erkenntnissen - sie geraten manchmal so schnell wieder in Vergessenheit.

Zur Sicherheit: Alles wird von mir vertraulich behandelt (die E-Mailadresse führt nur zu mir). Nichts wird ohne Rücksprache und Einverständnis veröffentlicht.

Ich bin Diplom-Psychologin und gehöre keinem Institut an. Ich starte die Untersuchung in eigener Initiative. Wer mich und diese Studie unterstützen möchte, darf mir gern "einen Kaffee" spendieren. 

Macht weiter und nehmt Euch ernst in Euren Beobachtungen und Empfindungen. Bleibt gesund - auch seelisch!
 
 Buy Me a Coffee at ko-fi.com

Samstag, 28. März 2020

CoRonA #LebenohneSchule

Vor wenigen Wochen hatte ich endlich Bestrebungen unternommen, einmal CaRabA #LebenohneSchule in unser hiesiges Kino holen zu wollen, in der Hoffnung, einigen Menschen werde damit ein Blick über den Tellerrand ermöglicht und Lust geweckt sich von der Vision einer menschlichen, blühenden Bildungslandschaft leiten zu lassen ...
Nun ist keine Kinoaufführung mehr möglich – jedoch: Wie abgefahren ist unsere Welt denn bitteschön gerade?!? Ich bleibe einmal mit meinem Fokus auf dem Bildungssystem:
"Der fiktionale Kinofilm CaRabA zeigt eine Welt ohne Schulen. Fünf junge Menschen finden in dieser gewandelten Bildungslandschaft ihren individuellen (Bildungs-)Weg inmitten anderer Menschen. Mit all seinen Höhen und Tiefen wird das Leben selbst zum fortwährenden Bildungserlebnis.
Der erste Spielfilm über eine Welt ohne Schulpflicht lädt dazu ein, gemeinsam Visionen über eine mögliche, völlig andere Gestaltung der Bildung zu entwickeln."
Unsere momentan sich gar nicht selten fiktiv anfühlende Wirklichkeit zeigt eine Welt ohne Schulen!! Plötzlich und unerwartet wurden wir hineingeschmissen – so eine Situation hat es noch nicht gegeben. Alle jungen Menschen finden in einer momentan gewandelten Bildungslandschaft ungewohnte, neue (Bildungs-)Wege... oder etwa nicht??
Bild von free stock photos from www.picjumbo.com auf Pixabay
Was geschieht? Was erleben wir? Was erleben junge Menschen und ihre Mütter und Väter gerade? Was erleben die begleitenden Lehrenden?
Ich war nie ein Verfechter des Wunsches einer "Abschaffung der Schulpflicht", da ich einen solchen Schritt weder für realistisch noch möglich hielt noch für sinnvoll angesichts des Festhaltens unserer Gesellschaft daran. Eher hatte ich an CaRabAs Vision geglaubt... an die Vision, dass junge Menschen selbst ihre Bildung in die Hand nehmen und wir das zunehmend begreifen und begleiten wollen und werden!
Definitiv sind die Bedingungen für eine phantasievolle Erforschung einer freien Bildungslandschaft derzeit alles andere als optimal. Nein, diese würde kein Homeschooling beinhalten, keinen Mangel an sozialen Kontakten und keine Beschränkung unseres Daseins auf das häusliche Umfeld. Wenn wir unsere Umgebung während und nach der Bewältigung der gesundheitlichen Krise wieder lebendig gestalten können, werden sich ganz andere Möglichkeiten offenbaren.
Die Erforschung einer freien bzw. sich befreienden Geisteshaltung jedoch ist möglich, wenn wir dies zulassen und hingucken, was geschieht. Hierbei möchte ich allen betroffenen Menschen ganz doll ans Herz legen: Schaut nicht nur CaRabA, sondern lest Alan Thomas' Bücher Bildung zu Hause - Eine sinnvolle Alternative und Informelles Lernen - Wie Kinder zu Hause lernen!!!
Der britische Entwicklungspsychologe hat sich schon vor vielen Jahren ursprünglich für die Erforschung von individualisiertem Unterricht interessiert, den er anhand von Kindern, die sich zu Hause bilden, untersuchen wollte, und dabei bahnbrechende Erkenntnisse gewonnen, die wegweisend und befreiend für uns alle sein könnten. Nie wären solche Forschungen hier in Deutschland möglich gewesen – bis auf jetzt...
Es besteht die absolut einmalige Chance für uns alle, zu erkunden, was vor sich geht, wenn Lernen außerhalb der Schulen stattfindet. Und viele Menschen werden sich fragen: Wollen wir – wir jungen Menschen, wir Mütter und Väter, wir lehrende Menschen – weiterhin, dass es so bleibt, wie es war??


Falls Du mich und meine Arbeit unterstützen möchtest: