Samstag, 25. August 2018

"Hilfe, mein Kind will nicht (mehr) zur Schule!"

Da in Deutschland Schulpflicht herrscht, löst eine solche Äußerung sehr viel Not und Ratlosigkeit in Familien aus. Wenn ein junger Mensch in Deutschland Nein zur Schule sagt, kann dieser Zustand nicht nur Mütter und Väter, sondern auch die damit befassten Menschen in Schulen, Beratungsstellen, Behörden, Gerichten in eine wirkliche Zwickmühle bringen, in ein nicht auflösbares Dilemma. Wir beobachten, dass es spätestens hier oft zu Akten von Gewalt kommt: in Form von Vorwürfen, Schuldzuweisungen und Unterstellungen, bedrängenden Fragen und Behauptungen bis hin zu bedrohenden Aussagen und Androhung von Maßnahmen (z.B. Sorgerechtsentzug, Buß- und Zwangsgeld, (kinder)psychiatrische Unterbringung/Behandlung). 

Eine wachsende Zahl an Familien erlebte bereits in den Werkstattgesprächen, die ich gemeinsam mit Bertrand Stern leite, Unterstützung und Austausch. 

Die interessierten und teilnehmenden Familien sind überwiegend in der Situation, dass Söhne und Töchter entweder sehr unglücklich in der Schule sind und sich nach Veränderungen sehnen oder konkret bereits sich der Schule verweigern. (Zunehmend kommen auch Familien hinzu, in denen junge Menschen bereits in einem noch nicht schulpflichtigen Alter äußern, sie wollten nicht in die Schule gehen, und die sich daher im Vornherein schon viele Gedanken machen, wie sie mit dieser Situation umgehen wollen.)

Manche Familien stehen noch ganz am Anfang der Kommunikation mit der Schule, andere stecken schon mitten in Auseinandersetzungen. Den Familien ist gemeinsam, dass sie im Gegensatz zu manchen, die aus Deutschland auswandern, weiterhin hier leben wollen bzw. aufgrund ihrer Lebenssituation auch gar keine andere Möglichkeit sehen.

Wir freuen uns immer wieder, dass Menschen, die ratlos und manchmal sehr besorgt bis angsterfüllt mit ihren Fragen und Nöten ins Werkstattgespräch hineinkommen, dieses informiert, handlungsfähig und gestärkt wieder verlassen.

Interessierte und betroffene Menschen sind herzlich eingeladen, an einem geplanten Werkstattgespräch (meist ein Samstag, welchem ein Vortragsabend am Freitag vorausgeht) teilzunehmen oder auch selbst eines in der eigenen Gegend zu organisieren.


Aktuell geplante Termine

31.08./01.09.2018 Gronau-Betheln
12./13.10.2018 München
26./27.10.2018 Leipzig
23./24.11.2018 Worpswede

Anfragen zum Werkstattgespräch an franziskaklinkigt@gmx.net und/oder bs@bertrandstern.de




Teilnehmerstimmen

"Wir haben sehr viel für uns mitgenommen, einerseits beruhigendes, andererseits aufwühlendes."

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"Insbesondere habe ich den inneren Frieden gegenüber dem bisher Geschehenem gefunden und es wird sich unmittelbar auch auf unsere äußeren Umstände auswirken. Es war bisher das Gefühl von Angst welches uns in eine Schutz- und Fluchtposition geworfen hat. Dies ist nun vorbei und wir sind gespannt auf die neue Qualität auf Augenhöhe mit den Mitarbeitern der Behörden."

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"Meine Kinder sind 4 und 2. Ich habe am Werkstattgespräch teilgenommen, weil ich vorbereitet sein will, falls mein Ältester die Schule genauso wie den Kindergarten verweigert. Seit dem Werkstattgespräch bin ich gelassen und ruhig. Das mögliche Nein zur Schule bereitet mir keine Sorgen mehr. Dank Bertrand Stern und Franziska Klinkigt weiß ich nun, was auf uns zukommen würde, wenn unser Kind Nein zur Schule sagt. Ich weiß, worauf ich achten muss im Dialog mit Schulpersonal und Ämtern, und ich fühle mich stark mit einem kompetenten Unterstützerteam im Hintergrund, auf die ich wieder zurückkommen kann. Ich kann das Werkstattgespräch wärmstens empfehlen. Dort haben alle Deine Fragen Raum und werden ernst genommen." 

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"Das Werkstattgespräch hat uns viel Mut und Zuversicht gegeben. Rechtliche Grundlagen bei einem Gerichtsprozess wurden uns erörtert, welches wir als sehr hilfreich empfanden. Emotional wurden wir aufgefangen und bestärkt, dass das Nein unseres Sohnes zur Schule sein selbst gewählter Weg bedeutet! Auch der Austausch mit Menschen. die in einer ähnlichen Situation sind, war sehr hilfreich. Wir haben uns nicht mehr alleine gefühlt."
 
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"Ich finde gut, dass ihr klar Wege aufzeigen wollt, bei denen man sich nicht verstecken oder flüchten muss. Mir selber hat das Werkstattgespräch soviel Klarheit gebracht. Ihr sprecht ja nicht nur über Schule, sondern auch über Diskriminierung von jungen Menschen. Da habt ihr mich in meiner Haltung sehr gestärkt. Dass ihr Hilfe und konkrete Unterstützung anbietet, falls wir mal in diese Situation kommen, gibt mir Sicherheit. Auch fand ich die vielen Beispiele, wie es laufen kann beruhigend."

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"Ich möchte noch im nachhinein sehr für das Werkstattgespräch danken. Es hat mir sehr geholfen, unsere eigenen Befindlichkeiten auf einer grundlegenderen Ebene zu betrachten und über die Unzufriedenheit und die reflexhafte Abwehr gegenüber dem System hinaus näher an die konkreten Wünsche unserer Familie und damit die individuelle "Lösung" zu kommen."

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"Nach dem Werkstattgespräch war uns sehr klar, wie wir unsere Kinder unterstützen können ihren Weg zu gehen und wir fühlen uns sicher mit den Behörden in Kontakt zu treten. Vor allem unser älterer Sohn (11) weiß jetzt, was er tun kann, um seine Bedürfnisse anderen Menschen mitzuteilen."

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"Das Werkstattgespräch war für uns eine große Bereicherung, es hat uns in unserer Haltung des Vertrauens jungen und sehr jungen Menschen gegenüber sehr gestärkt. Die Selbstverständlichkeit einem Menschen sein Selbstbestimmungsrecht oder sein Menschsein unabhängig vom Alter zuzuerkennen wurde uns deutlich, ein unumkehrbarer innerer Prozess kam in Gang oder wurde ein Stück vorangetrieben. Außerdem bekamen wir sehr viele Infos und Beispiele wie es verlaufen kann, wenn man einen jungen Menschen begleitet, der sich der Beschulung verweigert. Wir bekamen Antworten auf unsere konkreten Fragen und einen Input an juristischem Wissen, so dass wir mit Zuversicht aus dem Werkstattgespräch gehen konnten. Das Zusammenkommen vieler Teilnehmer in verschiedenen Situationen macht die Notwendigkeit dieser Veranstaltung deutlich und die Dringlichkeit der Bekanntmachung einer solchen Möglichkeit. Wir bedanken uns auf diesem Wege ganz herzlich bei den Referenten und den Organisatoren und hoffen auf viele weitere Zusammenkommen dieser Art an vielen Orten."

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"Es war ein Austausch auf Augenhöhe. Es kam nie das Gefühl auf, ein Außerirdischer zu sein, so wie wir es von den Behörden gewohnt waren. Aufgefangen und Verstanden, dass sind für mich die beiden Schlagworte."

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"Wir sind mit dem Hoffnungsfunken losgefahren, an diesem Wochenende eine Handlungmöglichkeit zu erlangen, falls unsere Tochter nein zum  Schulbesuch sagt. Wir fanden Sie und wurden um so vieles mehr beschenkt an diesem Wochenende. Innere Klarheit und Frieden zu unserem erlebten Schulbesuch, Unterstützung auf allen Ebenen und wir erfuhren: wir sind nicht allein... wir erlebten Menschen, die eine ähnliche Haltung zum Leben und den sich uns anvertrauten jungen Menschen in sich tragen und fanden Menschen mit einem fachlichen Know How, die bereit sind wirklich und wahrhaftig uns zu begleiten." 

1 Kommentar:

  1. Franziska und Bertrand?

    Ein Muss für selbstbestimmte Freidenker und jene Menschen, die sich selbst endlich aus der selbstverursachten Unmündigkeit (Kant) herausholen wollen.

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